Kapitel 2

Blende

Die Blende ist das verstellbare Loch im Objektiv. Sie entscheidet zwei Dinge: wie viel Licht auf den Sensor fällt und wie viel vom Bild scharf ist.

Probier oben zuerst nur den Blendenregler. Achte auf drei Dinge: den Hintergrund, die Lichtpunkte in den Bäumen und die Grashalme ganz vorne. Bei f/1,4 verschwimmen sie, bei f/16 wird fast alles scharf. Die Person bleibt scharf, weil die Kamera auf sie fokussiert.

Was die Zahl bedeutet

Die Blendenzahl ist ein Bruch: Brennweite geteilt durch den Durchmesser der Öffnung. Bei deinem Viltrox mit 23 mm heißt f/1,4: die Öffnung ist 23 ÷ 1,4 ≈ 16 mm groß. Bei f/16 ist sie nur noch gut 1 mm groß.

Darum gilt die Regel, die am Anfang alle verwirrt: kleine Zahl = große Öffnung = viel Licht. Große Zahl = kleines Loch = wenig Licht.

Die Zahlen auf dem Blendenring sind ganze Stufen:

Blende1,422,845,681116
Licht×128×64×32×16×8×4×2×1

Jede Stufe halbiert das Licht. Von f/1,4 bis f/16 sind das sieben Stufen, also 128-mal so viel Licht. Die Kamera kennt auch Drittelstufen dazwischen (1,6 · 1,8 · 2,2 · 2,5 …). Die siehst du im Sucher.

Schärfentiefe

Schärfentiefe heißt: der Bereich vor und hinter deinem Motiv, der noch scharf aussieht. Das Labor zeigt ihn dir unter dem Bild in Metern an. Drei Dinge machen ihn kleiner:

Und ein vierter Punkt hilft beim „Freistellen“: viel Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Stell die Person nicht direkt vor eine Wand, sondern ein paar Meter davor.

Probier im Labor die Schalter „Scharf auf“: Wenn du auf den Wasserfall fokussierst, wird die Person unscharf. Bei offener Blende musst du dich also entscheiden, was scharf sein soll. Bei Porträts sind das fast immer die Augen.

Bokeh

So nennt man, wie die Unschärfe aussieht. Kleine Lichtpunkte im Hintergrund werden zu Scheibchen. Beim Viltrox mit 9 abgerundeten Lamellen bleiben sie fast rund. Beim 18–55 mit 7 Lamellen werden sie beim Abblenden zu kleinen Siebenecken. Stell im Labor das Zoom ein und dreh auf f/5,6, dann siehst du es.

Offene Blende (f/1,4 – f/2,8)

  • Motiv hebt sich vom Hintergrund ab
  • schönes Bokeh
  • viel Licht: kurze Zeiten, niedrige ISO, auch drinnen und abends
  • aber: nur eine dünne Scheibe ist scharf, der Fokus muss genau sitzen
  • aber: das Viltrox ist ganz offen etwas weicher und die Ecken werden dunkler. Ab f/2 bis f/2,8 wird es deutlich knackiger.

Geschlossene Blende (f/8 – f/16)

  • fast alles scharf: Landschaft, Gruppen, Werkstücke, Architektur
  • Fokusfehler fallen kaum auf
  • aber: braucht viel Licht, also längere Zeit oder höhere ISO
  • aber: ab etwa f/11 wird das Bild durch Beugung wieder etwas weicher
FaustregelFür die beste Schärfe über das ganze Bild: f/5,6 bis f/8. Für Porträts mit weichem Hintergrund: so offen wie möglich, aber auf die Augen fokussieren.

Wo du die Blende einstellst

Beide Objektive haben einen Blendenring direkt an der Kamera, sie funktionieren aber verschieden:

Damit die Kamera deine Blende nimmt, muss der AUTO-Hebel oben auf der X-T10 aus sein. Stellst du dann das Zeitenrad auf A, hast du die Zeitautomatik: Du wählst die Blende, die Kamera wählt die passende Zeit. Das ist für den Anfang die beste Einstellung, um mit der Blende zu spielen.

Deine Ausrüstung

Auf 23 mm schafft dein Zoom höchstens etwa f/3,2. Das Viltrox schafft f/1,4. Das sind gut zwei Stufen, also rund fünfmal so viel Licht. Und der Hintergrund wird deutlich weicher.

Interessant: Das Zoom auf 55 mm bei f/4 macht den Hintergrund bei Porträts ähnlich weich wie das Viltrox, weil die längere Brennweite mithilft. Du musst dafür aber weiter weg stehen. Mehr dazu in Kapitel 6.

Im Labor siehst du noch etwas: Bei f/1,4 und Sonne würde die Kamera eine Zeit kürzer als 1/4000 s brauchen. Die schafft der mechanische Verschluss der X-T10 nicht. Dann wird das Bild zu hell. Lösung: den elektronischen Verschluss einschalten (bis 1/32000 s) oder ein ND-Filter (52 mm) vorschrauben.

Probier's aus

Aufgabe 1 · Die Blendenreihe

  1. Viltrox drauf, AUTO-Hebel aus, Zeitenrad auf A, ISO auf 200 oder Auto.
  2. Such dir ein Motiv in 1–1,5 m Abstand mit Hintergrund in mehreren Metern Entfernung. Gut sind Lichterketten, Laub mit Sonne oder eine Straße.
  3. Fotografiere dasselbe Bild mit 1,4 · 2,8 · 5,6 · 11 · 16.
  4. Am MacBook nebeneinander anschauen. Ab welcher Blende erkennst du den Hintergrund wieder?

Aufgabe 2 · Zwei Objektive, ein Bild

  1. Zoom auf 23 mm, Blende ganz auf (kleinste Zahl im Sucher). Ein Porträt oder ein Objekt fotografieren.
  2. Objektiv wechseln, Viltrox bei f/1,4, gleicher Standpunkt, gleiches Motiv.
  3. Vergleiche: Hintergrund, Zeit und ISO (in der Wiedergabe mit DISP).

Aufgabe 3 · Schärfentiefe-Detektiv

  1. Stell 5–6 Gegenstände schräg hintereinander auf, z. B. Stifte, Becher, Werkzeuge.
  2. Mit dem Viltrox nah ran (ca. 40 cm) und auf den mittleren Gegenstand fokussieren.
  3. Bei f/1,4 und bei f/8 fotografieren. Wie viele Gegenstände sind jeweils scharf?